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Kreisbüro in Musterhausen

Eine bayerische Erfolgsgeschichte: DIE LINKE im Kreisverband Coburg

Im Norden des Freistaates Bayern an der Grenze zu Thüringen befindet sich das Wirkungsgebiet des Kreisverbandes Coburg. Die Stadt und der Landkreis haben eine geschichtsträchtige Vergangenheit, die noch heute im Bewusstsein der Bewohner wirkt und die man an zahlreichen Gebäuden entdecken kann. 1920 entschieden die Bürger, sich dem Freistaat Bayern anzuschließen. Vorher befand sich hier über Jahrhunderte das Herzogtum Sachsen-Coburg, zuletzt verbunden mit einem Gebiet um Gotha. Durch die aktive Heiratspolitik der Coburger Herzöge gibt es immer noch Verbindungen zu allen amtierenden und nicht mehr amtierenden Monarchien Europas. Die herausragendste Beziehung besteht zur britischen Königsfamilie, beginnend mit Queen Viktoria und dem Coburger Prinzen Albert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Coburg Grenzregion zur DDR mit allen Einflüssen auf das politische Denken der Bürger. Heute dominiert die SPD, ganz im Gegensatz zum übrigen Bayern mit seiner CSU. Jedoch erhielt der Landkreis Coburg nach der Aufteilung des Landkreises Staffelstein mit Seßlach ein Stück CSU-Einfluss.

Nach dem Anschluss der DDR an die BRD und der Entstehung der PDS gründeten einige Genossen um die Jahrtausendwende einen Kreisverband der PDS, damals noch verbunden mit Kronach. Aber wie das bei Linken zuweilen so vorkommt, die Genossen waren heillos zerstritten. Eine politische Wirkung nach außen in die Bevölkerung gab es nicht mehr. Viele Mitglieder verließen die Partei. In dieser Situation wagten einige neue bzw. hinzugezogene Genossen einen Neuanfang. Sie fanden in Stadt und Landkreis Coburg noch 18 Mitglieder vor.

Im Mai 2008 gelang die Wahl eines arbeitsfähigen Vorstandes, unterstützt von Harald Weinberg,damals Landessprecher der bayrischen LINKEN und heute Bundestagsabgeordneter. Mit einem Arbeitsplan setzten wir uns erste Ziele: Stärkung des Kreisverbandes durch die Gewinnung neuer Mitglieder, öffentliche Parteinahme für gewerkschaftliche Aktionen in Coburger Betrieben, Maßnahmen des Kampfes gegen Hartz IV und Hilfe für deren Opfer.

Ein starker Schub für unsere Bemühungen ergab sich aus der Vereinigung von PDS und WASG zur Partei DIE LINKE und dem bayerischen Wahlmarathon mit Kommunalwahl, Landtagswahl und Bundestagswahl. Das wurde für die zahlreicher gewordenen Genossen ein Kraftakt, der bis an die physischen und sogar finanziellen Möglichkeiten der Beteiligten ging. An Dutzenden Infoständen, die es übrigens nicht nur zu Wahlkampfzeiten gibt, sprachen wir mit Bürgern über unsere Ziele und warben dabei auch neue Mitglieder.

Die anfängliche Stimmung gegen DIE LINKE, wobei wir manchmal regelrecht angepöbelt wurden, wich zunehmendem Interesse. Tausende Plakate wurden von Mitgliedern und Sympathisanten in der Stadt und in den Orten des Landkreises aufgehängt. Der Vorstand organisierte zahlreiche Veranstaltungen mit Funktionären des Landes- und Parteivorstandes. Viel beachtet, auch in der örtlichen Presse, war zum Beispiel unsere Wahlveranstaltung mit Oskar Lafontaine und Thomas Händel zur Europawahl.

Mit Kreisverbänden in den neuen Bundesländern suchten wir nicht nur das Gespräch, um Erfahrungen auszutauschen. Mit den Nachbarkreisverbänden Hildburghausen und Sonneberg in Thüringen verbindet uns eine aktive Partnerschaft mit der gegenseitigen Unterstützung in den Wahlkämpfen und der Teilnahme an Veranstaltungen und Vorstandssitzungen.

Auch die Zusammenarbeit mit unserem Partnerkreisverband Meißen (Sachsen) gestaltet sich produktiv. Wir nutzen den Erfahrungsaustausch für unsere politische Arbeit vor Ort. Zur Landtagswahl beteiligte sich auch eine Delegation aus dem Kreisverband Meißen, angeführt von der sächsischen Landtagsabgeordneten und heutigen Vorsitzenden des Kreisvorstandes Kerstin Lauterbach, an unseren Info-Ständen und Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass uns der Landesvorstand Sachsen mit der Gestaltung und dem Druck von Flyern unterstützte.

Aber alles ist nur möglich, wenn wir uns selber rühren. Das Ergebnis lässt sich sehen. Während wir im Kommunalwahlkampf wegen der Kürze der Vorbereitungszeit noch keine Rolle spielen konnten, gelang es uns, im Ergebnis der Bundestagswahl mit 7,7 Prozent die 5-Prozent-Hürde deutlich zu überbieten. Das will in Bayern schon etwas heißen.

Vor einigen Tagen haben wir entsprechend der Satzung unserer Partei den Kreisvorstand neu gewählt. Ihm gehören auf der Grundlage der gewachsenen Mitgliederzahl nun neun Mitglieder mit dem wieder gewählten Vorsitzenden René Hähnlein an. Durch die Verteilung der Aufgaben auf mehr Schultern verbreitert sich die Wirksamkeit der politischen Arbeit. Auch unsere nun schon traditionellen und regelmäßig stattfindenden Politstammtische führen wir fort. An ihnen beteiligen sich nicht allein Mitglieder, sondern zunehmend Bürger, die mit uns in Kontakt treten wollen.

Von besonderer Bedeutung und ein Ausdruck unserer Erfolge ist das neu gegründete Bürgerbüro des Kreisverbandes Coburg, eingerichtet mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Bundestagsabgeordneter in Coburg. Es ist zur Anlaufstelle für interessierte Bürger sowie für Beratungen und kleinere Veranstaltungen geworden.

Jetzt sind wir dabei, die politische Wirksamkeit des Kreisverbandes durch den Aufbau von Ortsverbänden und Basisgruppen weiterhin zu erhöhen. Diese selbstständig agierenden Gliederungen des Kreisverbandes sind viel näher an den Bürgern dran. Viele kennen sich, die Gespräche sind direkter. Hier zahlen sich die Erfahrungen aus unseren Partnerkreisverbänden aus.

Der Ortsverband Sonnefeld-Weidhausen ist jetzt schon ein Erfolgserlebnis. Die Gründung weiterer Ortsverbände ist für die Zeit nach der Sommerpause vorbereitet.

Unsere Mühen haben sich gelohnt. In den letzten Tagen konnten wir das hundertste Mitglied unseres Kreisverbandes begrüßen. Die meisten von ihnen sind junge Leute. Das erfordert vom Vorstand, Strategie und Taktik der politischen Arbeit neu zu durchdenken. Bis zum Jahresende erstreben wir als Ziel, dass der Kreisverband 120 Mitglieder umfasst.

Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass sich unsere Mitglieder als Mitglieder der Partei DIE LINKE verstehen; Strömungen spielen keine Rolle. Das heißt nicht, dass es keine unterschiedlichen Standpunkte zu unserem Politikverständnis gibt. Aber sie führen nicht zu solchen unproduktiven innerparteilichen Streitereien, die für die Politik unserer Partei nicht förderlich sind. Natürlich waren wir in der Vergangenheit davon auch nicht verschont. Doch deren wenige Vertreter stießen bei der Mehrheit der Mitglieder unseres Kreisverbandes auf deutliche Ablehnung. Heute sind wir ein gefestigter Kreisverband, der in der Öffentlichkeit zunehmend wahrgenommen wird.